Editorial

Wieder ist es so weit! Eine neue, spannende, reichhaltige und vielfältige Ausgabe, mittlerweile unsere 49. MuG, erwartet Euch/Sie!
Im „Klinikspaziergang“ führt uns Martina Leipoldt-Döring in die Soteria-Klinik Leipzig, die auf die Behandlung von Abhängigkeitserkrankungen spezialisiert ist. Es gibt dort Musiktherapie als indikatives Gruppenangebot nach dem – aus meiner Sicht wertvollen und leider wenig vertretenen – Konzept der „Regulativen Musiktherapie“ von Christoph Schwabe.
Nicolas Bauer präsentiert zwei spannende Fallstudien mit Musiktherapie bei dissoziativer Identitätsstörung. Über acht Monate führte er im Rahmen eines stiftungsgeförderten Forschungsprojektes Gruppenmusiktherapiesitzungen durch, um zu erfassen, ob Musiktherapie hilft, zwischen den verschiedenen Persönlichkeitsanteilen zu vermitteln. Insgesamt konnten 100 Therapiestunden, kombiniert aus Gruppen- und Einzelsitzungen, finanziert werden! Musiktherapie kann interaktionell helfen, kindlichen Anteilen zu ermöglichen, positive Erfahrungen zu machen. Als Fazit macht Bauer Vorschläge bezüglich des therapeutischen Vorgehens und empfiehlt explizit Gruppentherapie für diese Klientel.
Gleich acht Beiträge widmen sich unserem Schwerpunktthema „Songwriting“:


Das „Patienteninterview“ von Alexandra Takats, „Zwischen Erinnern und Erfinden: Songwriting mit Demenz“, schildert eine lebendige und berührende Gesprächssequenz im Rahmen einer wöchentlichen Einzelmusiktherapie mit einen 90-jährigen Demenzpatientin.
Karin Holzwarth und Gerd Kappelhoff geben zum einen einen interessanten und wissensreichen Überblick zum musiktherapeutischen Songwriting („Eigene Lieder finden“), widmen sich zum anderen dem spannenden Thema „KI im musiktherapeutischen Songwriting“. KI kann dieses technisch erleichtern, auch inhaltlich anregen. Natürlich ist der bewusste, reflektierte Einsatz wichtig.
Ingrid Lukas beschreibt in „Musiktherapeutisches Songwriting“ ihre lebenslange sowohl berufliche als auch persönliche Auseinandersetzung mit diesem Thema. 
Jasmin Eickholt („Therapeutisches Songwriting mit Senioren“) erzählt von einem interessanten, spannenden Songwriting-Programm mit Bewohner:innen eines Altenheims, wo sie Interventionen nach Prinzipien der positiven Psychologie und des musiktherapeutischen Songwritings miteinander verband.
Regina Lorek, eine unserer MuG-„Mitstreiterinnen“, interviewt Benjamin Hoeltje und Andre Schnabel zum Einsatz von RAP-Musiktherapie in Problembereichen wie etwa der Arbeit im Strafvollzug. Kunst könne hier ein guter „Türöffner“ zum Gespräch sein.
Susanne Dannhorn beschreibt eindrucksvoll und lebendig die musikpädagogische Arbeit in einem mehrsprachigen Duisburger Stadtteil, wo im Rahmen einer Kooperation mit dem Klavier-Festival Ruhr ein musikalisches Bildungsprogramm stattfindet.
Nicht fehlen in diesem „Reigen“ darf Thomas Stegemann mit seinem „Capriccio“: „Gehirn-Stürm & Musenkuss: Songwriting im Gehirn und Songs über das Gehirn“. Er beginnt mit einem Zitat der bekannten Gruppe „Die Ärzte“, das uns alle, die wir schreiben, betreffen könnte: „Ich sitz hier schon ’ne ganze halbe Stunde. Ein Gedanke macht im Kopf die ganze Zeit die Runde. Was schreibt man für ’nen Text in dieser wirren Zeit?“
Etwas aus der Reihe fällt unser mit UKE-Mitstreiter:innen verfasster Beitrag über die Musiker:innen-Medizin am Universitätskrankenhaus Hamburg-Eppendorf. Aufgrund meiner Befangenheit als Autor – und aus Platzgründen – verzichte ich hier explizit aufs „Anpreisen“. Dasselbe gilt für die Rezension eines wunderbaren Buches meines Freundes und Kollegen Tonius Timmermann.
Im Rahmen der – wie immer sehr detaillierten Hochschulnachrichten – erschreckt uns die Nachricht von der geplanten Einstellung des Berliner Masterstudienganges 2027. Gleichzeitig freuen wir uns alle mit Volker Bernius über die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes. Er hat wahrlich viel für die Musiktherapie getan und erreicht!
Ich wünsche wie immer viel Spaß und Erkenntnisgewinn beim Lesen!

Ihr/Euer
Hans Ulrich Schmidt