Editorial

Kaum zu glauben… die fünfzigste MuG… in diesen Zeiten, wo alles im „Netz“ landet… es gibt uns immer noch als Print-Version! Man kann das „gestrig“ finden (ich wüsste da einige…) – mich freut es. By the way: Es gibt auch einen englischsprachigen (Schwerpunkt-)Beitrag: Avi Gilboa entwirft ein musikalisches Modell zur Verbesserung der Kommunikation zwischen Arabern und Juden in Israel.
Diese fünfzigste MuG hat es überhaupt in sich!

 

Zwei weitere Schwerpunktbeiträge beschäftigen sich mit  einer möglichen neuen „Verortung“ der Musik- (und Psycho-)Therapie in Zeiten, in denen die „Unruhestifter“ nicht mehr nur in uns selbst (etwa als böse Introjekte, ungelöste Kindheitskonflikte) zu finden sind, sondern um uns herum: Kriege, Klima, wirtschaftliche Einschränkungen… Mein langjähriger Kollege und Freund Tonius Timmermann macht sich Gedanken „zur Pathologie und Therapie der heutigen Gesellschaft“, „Leben in interessanten Zeiten“ überschreibt er seinen Beitrag. Ich hatte das Vergnügen, mich mit meinem – temporären, aber umso dankenswerten (!) – Augsburger Nachfolger Andreas Wölfl ebenfalls mit den veränderten – gesellschaftlichen – Zeiten zu beschäftigen: Neben einem Blick auf die aktuelle Situation der Psychotherapie entwerfen wir Behandlungspotenziale für die Musiktherapie gerade in heutigen Zeiten.
Der Konflikt- und Friedensforscher Dieter Senghaas ist in beindruckender Weise den Spuren von Krieg und Frieden in der klassischen und neueren Musik gefolgt und spannt damit den Bogen über mehrere Jahrhunderte.
Wieder einmal sind wir auch sehr interdisziplinär: David Baaß (UKEPsychosomatik, -Musikersprechstunde Allgemeinmedizin), Jörn Döpfer (Professor für Gesang HfMT Hamburg, Petra Pfeil (Endokrinologin), Ingmar Wellach (Psychiater) und ich selbst reflektieren eine aus unserer Sicht sehr erfolgreiche Veranstaltung zum Thema „Stimme und Gesundheit im Dialog“ im Mai 2026.
Sehr wichtig und interessant ist der Beitrag von Donatella Bellomo (Psychologin und Musiktherapeutin), u. a. Supervisorin im Benenzon-Modell in Buenos Aires sowie musiktherapeutische Studienleiterin an der STRATOSSchule in Bari. Sie beschäftigt sich mit musiktherapeutischen Interventionen im schulischen Kontext, ein hochaktuelles Thema, mehr denn je!
Dann – natürlich – die Jubiläen: 25 Jahre MuG, 50 Ausgaben MuG: Regina Lorek (nicht zuletzt sehr verbunden mit unserer Ex-Herausgeberin Petra Jürgens), Hans-Helmut Decker-Voigt (als ehemaliger) und ich (als aktueller Herausgeber, einige Jubiläums-Grußworte integrierend) lassen 25 Jahre Revue passieren – sicher nicht, um in der Vergangenheit zu verharren, sondern bereits nach vorn blickend…
Auch an dieser Stelle: Wir danken meinem Kollegen und Freund Thomas Stegemann für 25 Folgen seines Cappricio cerebrale!! Mit dieser MuG gibt er den „Stab“ weiter…soll heißen, dass wir uns Gedanken machen werden, ob wir eine Folgekolumne entwickeln.
Sabine Rittners Reflexionen zum Singen, der Klinikspaziergang mit Sara Wegen durch die Kinder- und Jugendambulanz Berlin Hellersorf und das Patienteninterview mit Alexandra Takats dürfen wie immer nicht fehlen.
Viel Spaß beim Lesen und Erkenntnisgewinn wünscht

Ihr/Euer Hans Ulrich Schmidt,
Hamburg, im August 2026